Zwischen Karlsbrücke und Altstädter Ring, am Křižovnické náměstí, liegt eines der meistbesuchten und zugleich umstrittensten Museen der Stadt. Das Museum für mittelalterliches Folterrecht zeigt auf rund 400 Quadratmetern in nachgebauten Kellerräumen über 60 Geräte, dazu Wachsfiguren, Holzstiche und Erklärtafeln in acht Sprachen. Wer Prag mit Kindern besucht oder selbst empfindlich reagiert, sollte das vorher wissen, die Ausstellung ist nicht für jeden gedacht.
Was gezeigt wird
Zu sehen sind Nachbildungen von Streckbank, spanischem Stiefel, Schandmaske und weiteren Geräten, die in der europäischen Rechtsgeschichte vom Mittelalter bis in die frühe Neuzeit eine Rolle spielten. Foltertafeln erklären den historischen und rechtlichen Kontext, etwa wie Geständnisse unter Folter im damaligen Strafprozess galten und warum die Praxis erst im 18. Jahrhundert in weiten Teilen Europas gesetzlich abgeschafft wurde. Die Wachsfiguren stellen Szenen wie Hexenverbrennungen oder Hinrichtungen nach.
Eine Sache, die man richtigstellen sollte
Ein Exponat, das in praktisch jedem Foltermuseum Europas steht, ist die sogenannte Eiserne Jungfrau, ein spitzenbesetzter Sarkophag, in dem angeblich Opfer eingesperrt wurden. Historiker sind sich inzwischen weitgehend einig, dass es dieses Gerät im Mittelalter so nicht gab. Die ältesten bekannten Exemplare stammen aus dem 19. Jahrhundert, gebaut für Wunderkammern und Jahrmarktsausstellungen, die Idee dahinter geht wahrscheinlich auf eine antike Erzählung über den spartanischen Tyrannen Nabis zurück. Das schmälert nicht die Geschichte der tatsächlich verwendeten Folterinstrumente, aber es lohnt sich, das im Museum selbst nicht unhinterfragt zu übernehmen, viele Ausstellungen weltweit vermarkten die Eiserne Jungfrau noch immer als authentisches mittelalterliches Gerät.
Praktische Hinweise für den Besuch
Das Museum liegt direkt am Fuß der Karlsbrücke, keine drei Minuten vom Altstädter Rathaus entfernt, und ist täglich geöffnet, üblicherweise zwischen 10 und 20 Uhr, an manchen Tagen bis 22 Uhr. Der Eintritt kostet um die 200 tschechische Kronen. Für den Rundgang durch die engen Kellerräume reicht eine halbe bis dreiviertel Stunde, viel Zeit geht eher auf den Treppen verloren als vor den Vitrinen. Wer mehr über die historischen Hintergründe erfahren möchte als die Tafeln bieten, sollte sich vorher informieren, das Museum selbst liefert kaum vertiefendes Material zum Mitnehmen.
Rezensionen fallen gemischt aus: manche Besucher finden die Aufmachung informativ, andere empfinden sie als reißerisch oder das Eintrittsgeld als hoch für den gebotenen Umfang. Wer eine ruhige Alternative zum dichten Programm rund um Burg und Karlsbrücke sucht, bekommt hier zumindest einen ungewöhnlichen, wenn auch nicht für jeden geeigneten Programmpunkt.



























